Das Gesicht im Spiegel: Warum ein Selbstporträt (keine) Angst machen muss
- CreaKauz

- 14. Juni 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Die Panik vor der Perfektion
Ich gebe es offen zu: Als ich den Titel des achten Moduls las – Freie Variationen des Porträts – war mein erster Gedanke: „Oh mein Gott! Das bekomme ich nie hin.“ Ein Gesicht aus Stein und Glas? Jede falsche Linie verändert den Ausdruck. Doch dank der großartigen Anleitung von Heike Flint habe ich einen völlig neuen Zugang zu diesem Thema gefunden.
Der digitale Helfer: Fotobearbeitung als Kompass
Um die Hemmschwelle zu senken, habe ich ein Foto von mir selbst als Basis genommen. Mit einer Bildbearbeitungs-App habe ich das Foto so verfremdet, dass die wichtigen Konturen und Flächen klar hervortraten. Das hat nicht nur riesigen Spaß gemacht, sondern mir auch gezeigt, wie man komplexe Vorlagen bändigt.
Die Vorlage habe ich dann ganz klassisch mit Pauspapier auf eine grundierte Siebdruckplatte übertragen.
Materialschlacht der Leidenschaften
In diesem Porträt wollte ich zeigen, wer ich als „Glas-Liebhaber“ bin. Also habe ich meine persönlichen Schätze aus der heimischen Werkstatt mitgebracht:
• Smalten: Mit ihnen habe ich die präzisen Konturen meines Gesichts gelegt.
• Glasstücke: Die Flächen habe ich mit senkrecht aufgestellten Gläsern gefüllt, um Struktur und Tiefe zu erzeugen.
• Farbverläufe: Von leidenschaftlichem Rot bis zu beruhigendem Grün – ein Spiel mit den Kontrasten.
• Das gewisse Extra: Millefiori und emaillierte Schmetterlinge, die meine Liebe zum Detail unterstreichen.
Der „Handy-Trick“ für den perfekten Hintergrund
Kennt ihr das? Das Hauptmotiv ist fertig, aber man hat Angst, mit der falschen Hintergrundfarbe alles zu ruinieren. Heike zeigte uns einen genialen Trick:
1. Macht ein Foto vom aktuellen Stand eures Mosaiks mit dem Handy.
2. Geht in den Bearbeitungsmodus (Markup/Zeichnen).
3. Malt den Hintergrund digital in verschiedenen Farben aus.
So sieht man sofort, ob ein knalliges Blau oder ein sanftes Rosa besser wirkt, ohne auch nur ein Gramm Kleber zu verschwenden. Ich habe mich für ein zartes Rosa entschieden, das ich aus weißem Fliesenkleber und Pigmenten selbst angemischt habe. In diesen feuchten „Farbmatsch“ habe ich dann meine Schmetterlinge gedrückt.

Mein Fazit: Mut zum Unperfekten
Ein Porträt muss keine fotorealistische Kopie sein. Es ist eine Interpretation. Durch die Kombination aus digitaler Planung und manuellem Legen habe ich die Angst vor dem „Gesicht“ verloren.
Der „Kauz“ zwischen Labor und Leidenschaft:
In der Realität ist mein Alltag natürlich oft weit weg von Mosaiksteinen und Glas – mit einem 80%-Job im Labor und dem ganz normalen Familienwahnsinn ist die Zeit in der Werkstatt ein kostbares Gut. Es ist mein persönlicher Rückzugsort.
Gerade deshalb hilft mir das Wissen aus diesem Modul heute so sehr: Wenn ich die wenigen freien Stunden habe, nutze ich oft digitale Vorbereitungen (wie am Handy oder PC), um dann in der Werkstatt – vielleicht bald auch öfter mit Unterstützung des Lasers – direkt ins Machen zu kommen. Es ist eine Gratwanderung zwischen Beruf, Familie und Hobby, aber jedes Mal, wenn ein Teil fertig wird, weiß ich wieder, warum ich das „Glasfieber“ so liebe.






























Kommentare