Vom Glas-Liebhaber zum Steinmetz: Warum mich Natursteine und Beton eiskalt erwischt haben
- CreaKauz

- 2. März 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Die Skepsis des Glaskauzes
Ehrlich gesagt? Mein erster Gedanke war: „Natursteine? Das ist doch nichts für mich.“ Wer mich kennt, weiß, dass mein Herz für Glas schlägt – für Transparenz, Lichtspiel und leuchtende Farben. Stein wirkte auf mich erst einmal... nun ja, grau und schwer.
Doch das erste Modul an der Mosaikbauschule Dortmund hat mich eines Besseren belehrt. Was ich dort gelernt habe, hat meine Sicht auf „schweres“ Material komplett auf den Kopf gestellt.

Beton ist kein Matsch – es ist eine Wissenschaft
Bevor es an die Steine ging, kam der Beton. Und falls ihr denkt, man rührt einfach Sand, Wasser und Zement zusammen: Weit gefehlt! Beton ist eine Wissenschaft für sich. Das Mischverhältnis entscheidet über alles. Ich gebe zu, am Anfang war der Respekt vor dem „großen Gerät“ – dem Mörtelrührer – riesig. Da stehst du als Glas-Liebhaber plötzlich vor einem vibrierenden Ungetüm und rührst graue Masse an. Eine echte Herausforderung, aber eine, die wahnsinnig Spaß macht!

Der Workflow: Die Freiheit im Sandbett
Die Technik, die wir gelernt haben, ist herrlich entschleunigend. Man arbeitet sich von der Idee zum fertigen Guss:
1. Die Form: Ob klassischer Holzrahmen oder geschwungene Fußleisten – man legt fest, welchen Rahmen das Kunstwerk bekommt.
2. Das Sandbett: Hier fängt die eigentliche „Spielerei“ an. Man legt seine gesammelten Schätze (Natursteine, Muscheln, Glasnuggets) in den Sand.
3. Die Meditation: Das Tolle ist: Man hat alle Zeit der Welt. Gefällt mir die Spirale so? Oder lege ich sie doch lieber oval? Im Sandbett darf man sich umentscheiden.

Wenn der Beton fließt
Ist man zufrieden, wird es ernst. Die Form wird geölt, die Armierung für die Stabilität eingelegt und dann wird gegossen. Jetzt heißt es: Das Kunstwerk aus dem Sandbett in das Zementbett umsetzen.
Kauz-Tipp: Plant immer ein bisschen mehr Material ein, als ihr denkt! Beim Umsetzen in den feuchten Beton verändert sich das Werk oft noch einmal und braucht hier und da einen extra Stein, um perfekt zu wirken.

Mein Projekt: Sturmfeste „Strandkorb-Anker“
Ich habe diese Technik direkt für ein ganz praktisches Problem genutzt. Unserer Strandkorb-Plane fehlte bei Sturm der nötige Halt. Die Lösung? Handgefertigte „Anker“ aus Stein und Beton.
Nach dem Aushärten und einer Abreibung mit Zementschleierentferner bekamen die Steine noch ein Finish mit Steinöl. Das Ergebnis: Ein toller Glanz, der die natürliche Farbenvielfalt der Steine erst richtig zum Leuchten bringt.

Das Wissen weitergeben: Workshop in Seedorf
Wie sehr mich diese Technik begeistert hat, zeigt wohl am besten, dass ich sie direkt weitergegeben habe. Im letzten Jahr durfte ich einen Workshop für Kinder im Rahmen des Ferienpasses in Seedorf geben. Es war herrlich zu sehen, wie unvoreingenommen die Kids mit Zement und Steinen experimentieren – auch wenn das Hantieren mit dem großen Rührer für alle ein Highlight war!

Was hat sich seitdem geändert?
Heute gehe ich an solche Projekte noch mutiger heran. Wenn mir die fertigen Rahmen oder Standardformen nicht reichen, greife ich zur Säge und schneide mir meine eigenen Formen aus Styropor. Das gibt mir die Freiheit, auch riesige oder extrem geschwungene Objekte zu realisieren, die mit normalen Leisten gar nicht machbar wären.
Die Technik aus dem ersten Modul war für mich der Türöffner, um über den Tellerrand (oder den Glasrand) hinauszuschauen.Blog Mosaikbauschule





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